1998/99 war ich als Militärbeobachter auf den Golanhöhen und im Südlibanon für die UNTSO im Einsatz. Das erste halbe Jahr wohnten meine Frau und ich mit unsern 2 kleinen Buben im grossstädtisch-erhabenen Damaskus, danach im Norden Israels, in Nahariya. Die Zeit im Nahen Osten lehrte mich vor allem, mich mit andern zu organisieren, zu improvisieren und natürlich die kulturellen Herausforderungen in der Zusammenarbeit zu meistern.
Das konnte ich im zivilen Beruf gut gebrauchen: Zunächst als Ausbildungsleiter bei der Aargauischen Kantonalbank und danach für das Berufsbildungsamt des Kantons Aargau. Die Berufsbildung liess mich nicht mehr los, weshalb ich das höhere Lehramt absolvierte und an der Berufsschule Aarau zu unterrichten begann. Als Schulleiter (zunächst als Konrektor, dann als Rektor) durfte ich bei der Organisation der Schule und Begleitung von Lehrenden und Lernenden grosse Befriedigung im beruflichen Alltag erleben. Nach meiner Pensionierung suchte ich deshalb eine Herausforderung im Bildungsbereich. So stiess ich auf die Entwicklungsorganisation Comundo, mit der ich nun im Caprivi-Zipfel ganz im Nordosten Namibias, unweit der Victoria-Fälle, stationiert bin. Ich arbeite dort für das regionale Bildungsdepartement und begleite Rektoren beim Auf- und Ausbau der Berufsbildung in den Sekundarschulen.
Die Herausforderungen, aber auch die Chancen sind mannigfaltig. Ich profitiere von den gemachten Erfahrungen als Militärbeobachter, auch wenn das kulturelle, berufliche und gesellschaftliche Umfeld ein ganz anderes ist. Man lebt sehr bewusst im Moment, die Zukunft ist weit entfernt. Gewisse Dinge dauern ewig (so die dann überhaupt stattfinden!), bei anderen können wir uns in Europa eine Scheibe abschneiden, wie unkompliziert und spontan etwas erledigt werden kann. Diese Erfahrungen machte ich auch in meinem Hauptprojekt, dem Bau eines neuen Schulhauses. Meine Rolle war dabei, die Schulleitung in der Koordination der Arbeiten zu unterstützen: Die Idee war, dass die Schule das Gebäude selber baut mit den Baufach-Lehrern als Bauführern und den Lernenden als Maurer, Schreinerinnen und Metallarbeitenden. Die Lehrenden machten sich so einerseits vertraut mit neuen Wegen der praktischen Ausbildung und die Lernenden konnten andererseits in der Berufspraxis 1:1 umsetzen, was sonst oft nur theoretisch vermittelt wird.
Mein Vertrag wir im Juni 2025 nach zweieinhalb Jahren auslaufen. Vielleicht gibt es noch einen Kurzzeiteinsatz in einer andern Region Namibias, wo man die Erfahrungen aus meiner Tätigkeit am Sambesi übernehmen möchte. Aber das ist noch weit weg – die Zukunft ist weit weg. So oder so kann ich von meinem Einsatz hier sehr profitieren; ich hoffe, dass die Einheimischen dies aus der personellen Zusammenarbeit mit mir auch sagen können.
Link zum Engagement: www.comundo.org/knoblauch





